Wie Roboter das Leben und Arbeiten erleichtern

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Technik, die verbindet: Die Robotik eröffnet auch neue Perspektiven für die Zusammenarbeit unterschiedlicher Generationen

In der Robotik setzt Deutschland in Forschung und konkreter Anwendung vielfältige Akzente. Laut dem „World Robotics Report 2018“ der International Federation of Robotics kommen in Deutschland auf 10.000 Beschäftigte 322 Industrieroboter; lediglich in Südkorea und Singapur ist die Roboterquote höher. Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sind zwei weltweit angesehene Forschungseinrichtungen der Robotik. „Deutschland steht im Zentrum der Entwicklung von Robotern, die mit Menschen zusammenarbeiten“, sagt Professor Oussama Khatib, Leiter des Robotics Lab an der amerikanischen Stanford University.

Das in der Robotik führende Japan kooperiert in diesem Feld längst mit Deutschland: Das DFKI und das japanische National Institute of Advanced Industrial Science and Technology (AIST) haben 2017 eine strategische Partnerschaft unterzeichnet, um zum Beispiel die „Cognitive Robotics“ voranzutreiben – die Entwicklung jener Roboter, die durch Interaktion mit Menschen lernen. Die Osaka Prefecture University hat Andreas Dengel vom DFKI den Titel eines „Distinguished Honorary Professor“ verliehen, für sein außergewöhnliches Engagement in der gemeinsamen Forschung und Lehre zur Künstlichen Intelligenz. Und der Architekt Professor Thomas Bock von der Technischen Universität München, der einst in Japan die Industrialisierung und Robotik im Bauwesen studierte, erhielt 2017 den Eugen und Ilse Seibold-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für seine Beiträge zum deutsch-japanischen Wissenschaftsaustausch. 2018 diskutierte Bock auf einer vom Deutschen Wissenschafts-und Innovationshaus (DWIH) Tokyo unterstützten DFG-Vortragsreihe in Osaka, Tokyo und Fukuoka sein Konzept des „Robot-Oriented Design“.

Mensch und RoboterBock sieht die Zukunft nicht in Häusern, in denen Roboter unterwegs sind – er möchte die Häuser selbst zu Robotern umgestalten. Er entwirft automatisierte Gebäude, in denen ein selbstbestimmtes Leben im hohen Alter möglich ist: Die Wände, die Möbel, der Boden – sie alle reagieren auf die Bewohner, überwachen ihre Gesundheit und bringen sie zum Beispiel in das Badezimmer oder fordern Hilfe an, wenn jemand stürzt. „Vorbild ist für mich die Raumfahrt – auch Raumstationen reagieren intelligent auf die Astronauten“, sagt Bock. Die von ihm konzipierten Räume werden in Kliniken und Heimen in Genf, Kopenhagen und Eindhoven bereits implementiert.

Bocks Team entwickelte zudem einen Heimarbeitsplatz, der wie ein Cockpit aussieht und ältere Menschen am Arbeitsleben teilhaben lässt. Sie können damit kommunizieren, aber auch interagieren, indem sie Roboter fernsteuern. So entsteht nicht nur individueller Nutzen: Auch Menschen, die aus der aktiven Phase ihres Arbeitslebens ausgeschieden sind, können über dezentrale „Home Labs“ ihr wertvolles Wissen in Planungs- und Fertigungsprozesse einbringen.

Thomas Bock sieht folglich die Automatisierung nicht als Bedrohung – im Gegenteil warnt er davor, sich dem Trend zu verschließen. „Die Geschichte hat gezeigt, dass diejenigen von technologischen Trends profitieren, die sie aktiv mitgestalten“, sagt Bock. „Nicht Innovationen bedrohen Arbeitsplätze, sondern der Verzicht auf sie.“

Cover DWIH-Jahresbericht 2018 © DWIH
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DWIH-Jahresbericht 2018

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